Ruhetag vorbei: Eulálio verteidigt Rosa, Vingegaard jagt im Zeitfahren.
Stand heute Morgen: Am 18. Mai wurde nicht gefahren. Deshalb blickt das Briefing auf Etappe 9 am Corno alle Scale zurück und ordnet ein, warum das heutige Einzelzeitfahren nach Massa die Gesamtwertung deutlich zusammenschieben kann.
Was gestern passiert ist
Gestern war beim Giro der zweite Ruhetag. Sportlich zählt deshalb weiter der Stand nach Etappe 9 vom Sonntag: Jonas Vingegaard gewann am Corno alle Scale seine zweite Bergankunft dieses Giro und nahm dem Rosa-Träger Afonso Eulálio 41 Sekunden ab. Felix Gall war auf der Schlusssteigung der einzige Fahrer, der Vingegaards Attacke kurz halten konnte, musste unter dem roten Lappen aber reißen lassen.
Der Tag hatte zwei Ebenen. Vorn sah es lange nach einer italienischen Geschichte aus, weil Giulio Ciccone aus der Flucht heraus auf der letzten Steigung solo unterwegs war. Dann wurde Giulio Pellizzari im Favoritenfeld distanziert, Visma-Lease a Bike und Decathlon CMA CGM erhöhten das Tempo, und aus Ciccones Etappentraum wurde ein direkter GC-Test. Vingegaard gewann vor Gall, Davide Piganzoli und Thymen Arensman, Eulálio kam als Fünfter ins Ziel.
Für die Gesamtwertung bedeutet das: Eulálio bleibt überraschend stabil in Rosa, aber der Abstand ist auf 2:24 Minuten zu Vingegaard geschrumpft. Das ist noch ein Puffer, aber kein bequemes Polster mehr, weil heute 42 flache Zeitfahrkilometer kommen. Besonders Arensman, Ben O'Connor und Derek Gee-West können heute ebenfalls viel bewegen.
Gesamtwertung nach Etappe 9
Das Bild vor dem Zeitfahren ist ungewöhnlich: Eulálio führt weiter, Vingegaard wirkt am Berg wie der stärkste Mann im Rennen, Gall hat sich als Podiumskandidat festgesetzt, und dahinter lauert eine Gruppe mit sehr unterschiedlichen Stärken. Heute wird aus Kletterform plötzlich Aerodynamik, Rhythmus und Material.
| Rang | Fahrer | Nation | Team | Rückstand |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Afonso Eulálio | Portugal | Bahrain Victorious | 38:49:44 |
| 2 | Jonas Vingegaard | Dänemark | Visma-Lease a Bike | +2:24 |
| 3 | Felix Gall | Österreich | Decathlon CMA CGM | +2:59 |
| 4 | Jai Hindley | Australien | Red Bull-Bora-hansgrohe | +4:32 |
| 5 | Christian Scaroni | Italien | XDS Astana | +4:43 |
| 6 | Thymen Arensman | Niederlande | Netcompany-Ineos | +5:00 |
| 7 | Mathys Rondel | Frankreich | Tudor Pro Cycling | +5:01 |
| 8 | Ben O'Connor | Australien | Jayco AlUla | +5:03 |
| 9 | Giulio Pellizzari | Italien | Red Bull-Bora-hansgrohe | +5:15 |
| 10 | Michael Storer | Australien | Tudor Pro Cycling | +5:20 |
Geschichten am Rand
Der Ruhetag war keiner dieser stillen Tage, an denen einfach nur Wäsche gewaschen und Beine hochgelegt werden. Rund um den Giro gab es genug Stoff, der heute mit ins Zeitfahren rollt.
Rosa als Zeitfahr-Prüfung
Eulálio hatte ursprünglich wohl eher mit einem ruhigen Zeitfahr-Tag gerechnet. Jetzt muss er als Führender alles investieren, obwohl die 42 flachen Kilometer gegen einen Spezialisten- und GC-Maßstab laufen. Genau das macht sein Rosa heute so spannend: Es ist kein Verteidigen im Windschatten, sondern allein gegen Uhr, Druck und Linie.
Der Giro und die Bidon-Regel
Die Jury nutzte den Ruhetag auch für eine sehr Giro-typische Randnotiz: Nach mehreren Strafen und Verwarnungen wurde noch einmal klargestellt, dass Fahrer nicht in Trinkflaschen urinieren und diese anschließend wegwerfen dürfen. Insgesamt lagen die Giro-Strafen nach neun Etappen bereits bei mehr als 6.000 Schweizer Franken.
Krankheit bei Bora
Bei Red Bull-Bora-hansgrohe war der Ruhetag sportlich heikel: Berichte sprechen von Magenproblemen bei Giulio Pellizzari und Jai Hindley. Beide stehen noch in der Gesamtwertung, aber ein flaches Zeitfahren nach Krankheit ist brutal, weil man kaum Momente zum Verstecken bekommt.
Heute: Etappe 10, Viareggio - Massa
Heute steht das einzige Einzelzeitfahren dieses Giro an: 42 Kilometer von Viareggio nach Massa, praktisch flach, direkt an der tyrrhenischen Küste entlang. Das Profil ist nicht technisch schwer und hat laut Vorschau kaum Höhenmeter, aber gerade deshalb wird es gnadenlos. Wer einmal zu hart überzieht, bekommt kaum Kurven oder Abfahrten, in denen er sich wieder sortieren kann.
Die Strecke beginnt mit einer Schleife im Raum Viareggio und geht dann in lange, schnelle Passagen Richtung Norden. Cyclingstage beschreibt drei Zwischenzeiten bei Kilometer 16,7, 28,9 und 38,4; Domestique nennt als Kerndaten 42 Kilometer, Start gegen 13:15 Uhr und Zielankunft um etwa 17:20 Uhr. Im Finale warten noch mehrere 90-Grad-Kurven, aber der große Faktor ist vorher: konstante Aeroposition, sauberes Pacing, wenig Windkante verschenken.
Watch-Empfehlung
Heute unbedingt reinschauen: nicht wegen Attacken, sondern wegen der Gesamtwertung. Die Spezialisten um Filippo Ganna fahren um den Etappensieg, aber für Rosa sind die letzten Starts entscheidend: Eulálio gegen Vingegaard, Gall gegen Arensman, Hindley und O'Connor gegen die Uhr. Wenn du nur kurz Zeit hast: die finalen 60 bis 75 Minuten sind der beste Slot.